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  • 25.11.2019

In Zeiten hoher Ungewissheit flexibel bleiben

In den letzten Wochen schwankten die Märkte zwischen positiven Nachrichten zur Geopolitik (US-China-Handelsgespräche, Italien, die abnehmende Gefahr eines No-Deal-Brexit) und weniger guten Nachrichten zu Wirtschaftsdaten (deutsche Rezession, US-Produktion und Verlangsamung von Chinas Wachstum). Dies führte zu einer Erholung an den Aktienmärkten und einem Anstieg der Renditen von Kernanleihen. Eine neue Phase des Abwartens hat wahrscheinlich begonnen, in der die Märkte die Rezessionsängste und den Druck der Handelsdynamik auf die Unternehmensbilanzen neu bewerten werden. Die wichtigsten Treiber der Märkte waren im vergangenen Jahr die Inflationserwartungen und die Zinssätze. Derzeit sind die Hauptursachen für Marktbewegungen die Rezessionserwartungen und politische Maßnahmen (monetär und finanzpolitisch). In beiderlei Hinsicht glauben wir, dass die Märkte zu viel erwarten. In unserem zentralen Szenario glauben wir nicht, dass es in den nächsten zwölf Monaten zu einer wirtschaftlichen Rezession kommen wird, da der Inlandskonsum stark bleibt (obwohl das verarbeitende Gewerbe schwach ist). Die Unternehmensgewinne könnten jedoch weiterhin beeinträchtigt werden, was ein fragiles Umfeld für Aktien darstellt.

Darüber hinaus sind die Märkte unserer Ansicht nach zu optimistisch, was die Erwartungen an politische Maßnahmen betrifft. Die EZB scheint mit ihren Lockerungsmaßnahmen die Erwartungen der Anleger übertroffen zu haben. Es ist jedoch klar, dass die Geldpolitik mit fiskalischen Maßnahmen einhergehen muss (erstere allein reicht nicht aus, um einem geringen Wachstum und einer geringen Inflation entgegenzuwirken). In Bezug auf finanzpolitische Impulse erwarten wir ein gewisses Fine tuning, aber keine wesentliche Änderung der EU-Haushaltsregeln. Wenn die Erwartungen an politische Maßnahmen hoch sind, ist auch das Risiko für Anleger hoch, enttäuscht zu werden, was in den meisten Märkten zu Volatilität führt. 

Dennoch gibt es zwei alternative Szenarien, die sich in Zukunft abspielen könnten. Im negativeren Szenario fällt die wirtschaftliche Abschwächung aufgrund des anhaltenden Handelskrieges stärker aus als erwartet. Dies könnte sich auf die Investitionsausgaben auswirken oder sogar zu Entlassungen von Mitarbeitern führen, insbesondere in den USA, wo die Arbeitsgesetze flexibel sind (kurzfristig zögern Unternehmen jedoch, Personal abzubauen, da es teuer ist, Arbeitnehmer zu ersetzen), was sich auf den „robusten“ Konsum auswirkt. Die Angst vor Rezessionsrisiken könnte auch zu einer Rezession führen, die sich wiederum unmittelbar negativ auf „Risky Assets“ auswirken könnte. Es gibt auch eine dritte Möglichkeit – die Zentralbanken betreiben eine aggressive Geldpolitik und fiskalpolitische Maßnahmen kommen ebenfalls zum Einsatz. Dies würde „Risky Assets“ weiter unterstützen. Aufgrund dieser Szenarien und der Tatsache, dass wir derzeit das erste und das zweite Szenario für am wahrscheinlichsten halten (Instabilität, mit hohen Bewertungen in vielen Marktbereichen und dem Risiko von Enttäuschungen), sind wir der Ansicht, dass die Anleger vorsichtig und flexibel bleiben sollten. 

Unsere vier Überzeugungen:

  1. Die Zinssätze werden niedrig bleiben, was zu einer anhaltenden Jagd nach Rendite bei den Anlegern führen wird, da das Wirtschaftswachstum wahrscheinlich verhalten bleibt.
  2. In einer Welt mit weniger Globalisierung werden Handel und Politik im Fokus bleiben. Daher würde die Bedeutung des Inlandskonsums und der damit verbundenen Dienstleistungen in einzelnen Emerging Markets und entwickelten Märkten  zunehmen.
  3. Bei Aktien werden Fundamentaldaten und Gewinne wieder im Fokus sein.
  4. Liquidität bleibt für Anleger von entscheidender Bedeutung, da sie sich des  notwendigen Ausgleichs zwischen Risiko, Rendite und Liquidität bewusst sein sollten.

Zusammenfassend ist unsere Hauptbotschaft an die Anleger, in diesem äußerst unsicheren Szenario zu versuchen, Kapital zu erhalten und angesichts der Volatilität flexibel nach Chancen zu suchen. Im weiteren Verlauf muss man als Anleger abschätzen, wie sich die Wahrscheinlichkeiten der verschiedenen Szenarien entwickeln. Heute ist unser wahrscheinlichstes Basisszenario, dass die Märkte zu viel vom „Policy Mix“ erwarten. Es gibt überzogene Befürchtungen einer Rezession und auch die Wirksamkeit von geldpolitischen Maßnahmen nimmt ab. Darüber hinaus glauben wir, dass es politische und wirtschaftliche Beschränkungen gibt, die eine fiskalische Kehrtwende in Europa / Deutschland verhindern.

Über die kurzfristige Betrachtung hinaus wird die derzeitige Debatte zu einer wachstumsfördernden Politik in Kombination mit einem „Whatever it takes“-Ansatz führen. Dies bedeutet, dass wir weitere Anstrengungen sehen werden, um die Kluft zwischen dem geld- und dem fiskalpolitischen Spielraum zu überbrücken. Je nach Land und Institution kann es zu einer Art „Politisierung“ der Geldpolitik und einer „Monetarisierung“ des Haushaltsansatzes mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen kommen. Dies könnte das Marktumfeld angesichts einer Rezession oder angesichts von Präventivmaßnahmen zur Vermeidung einer Rezession beeinflussen. Die Anleger müssen die kurzfristigen Auswirkungen (Renditen fallen in allen Anlageklassen noch weiter ab) der sich möglicherweise daraus ergebenden Verschiebung der Erwartungen (einschließlich der Inflation) abschätzen.

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